4.30 Uhr, der Wecker klingelt. Eigentlich eine Uhrzeit, zu der man sich als Studentin eher schlafen legt, als aufzustehen. Also quäle ich mich aus dem Bett. Duschen, Frühstücken, Proviant für den Tag einpacken und los geht’s um 5:50 Uhr Richtung Omnibusbahnhof.

In der Straßenbahn kämpfe ich mit meiner Müdigkeit und zweifle an meinem Vorhaben. Warum bin ich so früh aufgestanden? Achja stimmt, Massentierhaltung ist scheiße.

Der vom BUND organisierte Bus steht schon da und scheint nur noch auf mich zu warten. Ich steige ein und erkenne erst jetzt, dass der Bus schon fast voll ist. Voll mit Menschen, die gemeinsam mit mir nach Berlin fahren um gemeinsam mit mir gegen die Agrarindustrie zu demonstrieren. Die Fahrt nach Berlin gestaltet sich sehr angenehm und ist gefüllt mit wunderbaren Gesprächen mit unterschiedlichen Menschen, die mich meine Müdigkeit vergessen lassen.

Kurz nach 11 erreichen wir Berlin. Ich sehe Bauern und Bäuerinnen mit ihren Traktoren, die sie liebevoll geschmückt haben. Auf den rießigen Transparenten lese ich „Wir wissen, was Monsanto empfiehlt. Wir empfehlen Widerstand und Selbsthilfe“ oder „Bauernhöfe statt Agrarindustrie“ bis hin zu „Wen streicheln, wen essen?“. Direkt hinter der Schlange aus Traktoren wimmelt es vor Menschen. Demeter, Bioland, Greenpeace, Albert-Schweizer-Stiftung, BUND und Fahnen von Bündnis90/DIE GRÜNEN wehen über den Köpfen der Demonstrant_innen. Neben den Fahnen sind auch unterschiedliche Transparente zu sehen. „Iss Tofu, du Würstchen!“, „Schluss mit der Schnitzeljagd“ oder „TTIP ist unFAIRhandelbar!“ sind nur wenige Beispiele für die bunte Vielfalt auf den Schildern.
Die Stimmung ist prächtig als der Demozug sich mit lauter Musik und tanzenden Menschen in Bewegung setzt. Die Route führt uns vom Potsdamer Platz, vorbei am Agrarministerium hin zum Kanzleramt. Viele Passant_innen bleiben stehen und beobachten die vorbeiziehende Demo interessiert, was allerdings von vielen mit dem Ruf „Bürger lass das glotzen sein, reiht euch in die Demo ein!“ erwidert wird.
Am Kanzleramt angekommen höre ich schon den Beginn der Kundgebung. Einige Bauern und Bäuerinnen werden auf die Bühne gebeten. Ich höre einen Landwirt, der stolz erzählt, dass er 14 Stunden mit seinem Traktor angereist ist, um zu demonstrieren. Cool!

Im Anschluss folgen einige Reden, die von Landwirt_innen oder Verbandsvertreter_innen gehalten werden. Es geht um das TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership), das verhindert werden muss, Genveränderte Pflanzen, Bienenfreundliche Landwirtschaft und verdammt nochmal das Ende der Massentierhaltung!
Während einer Rede einer Bäuerin bricht ein Landwirt neben mir in Tränen aus, stottert vor sich hin, dass er seinen Hof nicht aufgeben will und er keine Zukunft mehr sieht. In diesem Moment fühle ich mich ganz klein. Hier sind 30.000 Menschen aus ganz Deutschland mit verschiedenen Beweggründen und doch verbindet uns dieses eine Thema:

Wir haben Agrarindustrie satt!

Kurz nach 14 Uhr muss ich die Kundgebung verlassen, um zum Bus zurückzufinden.
Es herrscht Stille, als der Bus gegen 14.30 Uhr losfährt. Mit dem guten Gefühl in dieser Welt etwas verändern zu können und Teil einer wunderbaren Bewegung zu sein, versuche ich die Fahrt über zu schlafen.

Verfasserin: Susi