von Nelson

Lasst uns mal über Türen nachdenken, Was kann so eine Tür? Die kann auf und zu sein –das klingt jetzt recht simpel, aber auf diesen Niveau läuft die Diskussion über Schule in Coronazeiten.

Tatsächlich ist die Problematik wesentlich komplexer. Aktuell ist die Situation bundesweit so: Ab einer Inzidenz von 165 müssen Schulen schließen. Warum genau bei 165 lässt sich epidemiologisch nicht erklären – die Zahl ist ein schlechter Kompromiss. Jens Spahn hat am 16.5. Geburtstag – vielleicht liegt’s daran.

In Landkreisen mit einer Inzidenz unterhalb von Jens Spahns Geburtstag gilt dann folgendes: Die Schulen sind offen, es gibt zwei Schnelltests pro Woche. Was zu wenig ist, wenn man am Montag und Mittwoch getestet wird, kann man locker an den restlichen Schultagen Corona in die Klasse schleppen. Und selbst an Testtagen besteht ja keine wirkliche Sicherheit. Es gibt halbe Klassen, aber in den Pausen kann man trotzdem zusammen sein. In vielen Schulen – zum Beispiel in meiner – war Sport- und Musik-Unterricht zusammen.

Das Wechselmodel war keine wirkliche Gruppentrennung. Maskenpflicht war bis jetzt nur in der Oberschule und im Gymnasium. In den Grundschulen ist die Ansteckungsgefahr noch viel höher, da besteht keine Maskenpflicht. Es gibt keine Luftfilteranlagen in Klassenzimmern, auch keine CO2-Ampeln. Das heißt: Offene Schulen – auch bei einer Inzidenz unter 165 – bedeuten eine hohe Infektionsgefahr für Schülerinnen, Lehrkräfte und Eltern.

Gerade in der 3. Welle sind Kinder und Jugendliche die Gruppe mit den höchsten Infektionszahlen. Das Kultusministerium hat im letzten Jahr behauptet, dass Schulen keine Infektionsorte wären. das war damals schon falsch und heute noch viel falscher. Man sieht es in Chemnitz, wo letzte Woche etwa 30 Klassen in Quarantäne waren.

Ok, gucken wir uns mal die andere Seite an: Wie ist die Situation jetzt, wenn die Schulen zu sind? Wie gut funktioniert Digitalunterricht? Das hängt vom W-Lan, der technischer Ausstattung zu Hause ab und damit ist es eine soziale Frage. Es kann doch nicht sein, dass die finanzielle Lage der Eltern bestimmt, ob du Unterricht und wie gut du Unterricht haben kannst.

Aber leider ist es aktuell so. Außerdem hängt die Qualität des Unterrichts auch an der Hilfe der Eltern und der Motivation der Lehrkräfte ab, die sich in eine komplett neue Art des Unterrichts einarbeiten müssen. Und vom Kultusministerium bekommen sie dabei wenig Unterstützung.

Das Online-Portal LernSax funktioniert so semi gut und bietet wenig Möglichkeiten – das geht 100% besser. Auf dem Blog des Kultus kann man dann solche Sätze lesen: „Jede Unterrichtsstunde in Präsenz ist besser als im Distanzunterricht“. Ich glaube, jeder weiß, wie scheiße auch Präsenzunterricht sein kann. Wenn das das Qualitätsmaß ist, muss man sich nicht wundern. Natürlich sind geschlossene Schulen ein Problem: psychische Probleme, Einsamkeit und häusliche Gewalt sind absolut ernst zu nehmen und ein enormes Risiko.

Das heißt: beide Optionen – Tür auf oder Tür zu – sind nicht tragbar. Lasst uns aufhören darüber zu diskutieren, ob auf oder zu. Wir müssen andere Frage stellen. Wenn die Schulen offen sind: wie wäre es mit wirklich getrennten Klassen in Grund- und Oberschulen? Wieso nicht jeden Tag ein Test? Lüftungsanlagen, CO2 Ampeln … es gibt so viele Möglichkeiten das Infektionsrisiko zu verringern. Und wenn Schulschließungen dennoch nötig sind: wie wäre es mit Verbesserung des Digitalunterricht, Ausstattung von Familien, Weiterbildungen, mehr Schulpsychologinnen und flexible Hilfskonzepte für Schüler*innen, die halt nicht zurecht kommen.

Es muss also nicht weiter über Tür auf oder Tür zu diskutiert werden, sondern wie und unter welchen Bedingungen. Was auch nicht hilft, ist Kinderschuhe vor das Rathaus zu stellen, Masken als Foltermethode zu bezeichnen und gleichzeitig noch den Holocaust zu relativieren. Das ist extrem kontraproduktiv und sowas von nicht ok. Das Kultusministerium muss jetzt endlich bessere Lösungen für Schule unter Pandemiebedingungen finden und nicht weitermachen mit Tür auf und Tür zu. Vielen Dank!